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Sendetage: sonntags
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Während sich der akademische Diskurs verengt, findet sich hier ein Forum des freien Geistes. Renommierte Kultur- und Sozialwissenschaftler halten Vorträge mit universitärem Anspruch – exklusiv im Kontrafunk. Für alle, die noch konzentriertes Zuhören pflegen.

[""]Tags: Cancel-Culture, Deutschland, Die Wissenschaft, Energieversorgung, Europäische Union, Gesellschaft, Historische Bezüge, Klima, Krieg & Frieden, Kultureller Bürgerkrieg, Kunst & Kultur, Liberalismus, Literatur, Management by panic, Medien, Menschendressur, Metaphysische Unbehaustheit, Migration, Moralisierung vs. Realität, NATO, Natur, Ost-West-Gefüge, Parteienlandschaft, Philosophie, Politik, Psychologie, Rechtsstaat, Religion, Russland, Streitkultur, Totalitarismus, USA, Ukraine, Ungarn, Weltordnung, Widerstand & Protest, Wirtschaft, Zahlensalat,

Audimax: Friedrich Pohlmann – Zur Ästhetik des Hässlichen, der Ekel und seine Verwandten

29. Juni 2025

Der Ekel ist ein selten genauer untersuchtes Gefühl, das in einer „Ästhetik des Hässlichen“ eine zentrale Rolle spielen sollte. Welches sind die Grundmerkmale einer Phänomenologie des Ekels? Welche Sinnesorgane stehen bei diesem Gefühl im Vordergrund? Unter den engsten Verwandten des Ekels ragt die Verachtung hervor. Worin zeigt sich diese Verwandtschaft? Was ist – in Abgrenzung zum physischen – „moralischer“ Ekel? Welche Bedeutung spielt der Ekel in den aktuellen politischen Auseinandersetzungen, beim Abgestoßenwerden vom Habitus deutscher Funktionseliten?

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Audimax: Peter J. Brenner – Der Intellektuelle, vom Aufklärer zum Twitter-König

6. Juli 2025

Die Geschichte der Intellektuellen beginnt im 18. Jahrhundert. Seitdem haben sie sich, von Voltaire bis Habermas, in der Gesellschaft etabliert und sich auf den Wandel der Machtverhältnisse und der medialen Gegebenheiten jeweils neu eingestellt. Oft haben sie recht behalten, und nicht minder oft haben sie sich mit ihren Fehleinschätzungen fürchterlich blamiert. Seit der Jahrtausendwende sieht es so aus, als würden die Intellektuellen nicht mehr gebraucht. In der Politik ist ihr Rat nicht mehr gefragt, und im medialen Tohuwabohu dringt ihre Stimme nicht mehr durch.

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Sommerfestival – Audimax: Heinz Theisen – Noch ist der Westen nicht verloren

13. Juli 2025

Die Verabsolutierung der Freiheit in der westlichen Welt hat einen permanenten Prozess der Dekonstruktion von Bindungen und Grenzen mit sich gebracht. Überdehnung nach außen und Selbstauflösung nach innen sind die Folge. Der Westen muss die Werte und Strukturen rekonstruieren, die ihn einst stark gemacht haben. Europäische Union und Nato sollten daher zur Strategie einer „Selbstbehauptung durch Selbstbegrenzung“ übergehen. Die aktuelle Politik in Ungarn und den USA sowie die christliche Soziallehre werden auf ihre Beiträge zu einer solchen Rekonstruktion des Westens analysiert. Das Fazit lautet: Noch ist der Westen nicht verloren. (Wiederholung vom 6. April 2025)

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Sommerfestival – Audimax: Dr. Rainer F. Schmidt – Zur Finanzierung der NSDAP vor 1933

20. Juli 2025

Im Frühjahr machte Alice Weidel mit ihrer Behauptung Furore, Hitler sei ein Kommunist gewesen. Tatsächlich war die NS-Bewegung vor 1933 stark von sozialistischen Ideen geprägt, die bis zur Forderung nach Enteignung und Verstaatlichung der Groß- und Mittelbetriebe reichten. Dies stellte lange eine unüberwindliche Barriere für die Weimarer Banken- und Industriewelt dar, diese Partei zu unterstützen und ihr Gelder zukommen zu lassen. Der Beitrag untersucht in Form einer Analyse der Binnenentwicklung der NSDAP zwischen 1919 und 1933 die Frage, inwieweit der Aufstieg der Hitlerbewegung durch das deutsche „Big Business“ gefördert wurde, ob die Wirtschaftsmagnaten hinter den Kulissen die sogenannte Machtergreifung betrieben oder ob es sich bei der NSDAP um ein politisch wie finanziell weitgehend autonomes Phänomen handelte. Dr. Rainer F. Schmidt ist Professor emeritus für Neueste Geschichte und Didaktik der Geschichte an der Universität Würzburg. (Wiederholung vom 2. März 2025)

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Sommerfestival – Audimax: Friedrich Pohlmann – Vom Ende der unipolaren weltpolitischen Epoche – Ukraine-Krieg, westlicher Niedergang und deutsche Postdemokratie

27. Juli 2025

Der Ukraine-Krieg hat als Katalysator für das Ende der unipolar-globalistischen weltpolitischen Epoche gewirkt. Was zeichnete diese Epoche aus? Welche ging ihr im 20. Jahrhundert voraus? Welche könnte ihr folgen? Die Machtstrukturen weltpolitischer Epochen fungieren als übergeordneter Rahmen für binnenstaatliche Entwicklungsprozesse und Entscheidungsoptionen. Welches waren die Rückwirkungen dieser Machtstrukturen auf Deutschland? Weltpolitische Umbrüche bereiten sich subkutan in Machtverlagerungen vor, die innerhalb einer Epoche gegen deren dominante Prinzipien stattfinden. Der Niedergangsprozess des „Westens“ und derjenige Deutschlands in den letzten zwei Jahrzehnten charakterisieren derartige Machtverlagerungen. Wie lassen sie sich genauer bestimmen? (Wiederholung vom 26. Januar 2025)

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Sommerfestival: Peter J. Brenner – Zensur! 200 Jahre Meinungslenkung in Deutschland

3. August 2025

Eine Gesellschaft ohne Zensur ist eine Illusion. Jede Gesellschaft definiert Grenzen des Sagbaren und des Verbotenen, und wenn es nicht der Staat tut, dann tun es andere wirkmächtige Akteure. Wo aber diese Grenzen verlaufen, ist eine Frage von kulturellen Machtkämpfen. Bestimmte Muster kehren immer wieder, aber neue Gesellschafts- und Medienverhältnisse führen auch zu neuen Konstellationen von Meinungsfreiheit und Zensur: Von den „Karlsbader Beschlüssen“ des Jahres 1819 zum „Digital Services Act“ der Gegenwart führt kein gerader Weg. (Wiederholung vom 19. Januar 2025)

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Sommerfestival – Audimax: Nach der Befreiung – der Weg aus dem Nationalsozialismus

10. August 2025

Von allen Seiten ist zu hören, dass Deutschland vor achtzig Jahren befreit wurde. Von wem? Die Siegermächte verhängten eine Militärdiktatur, die der Säuberung galt, der Bestrafung der Nazis und der Umerziehung. Dies wurde jäh abgebrochen, indem sich beide Besatzungszonen als Partner feindseligen Militärlagern anschlossen. Mit der Erklärung und Selbstreinigung von zwölf Jahren Nationalsozialismus war Deutschland alleingelassen. Alle zwanzig Jahre produzierte es eine andere Antwort auf die noch immer akute Frage: Was ist ein Nazi? Die Geschichte dieser Suche erzählt Jörg Friedrich. (Wiederholung vom 11. Mai 2025)

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Audimax: Friedrich Pohlmann – „Hermannsschlacht“

17. August 2025

Im nationalen Selbstbild der Deutschen spielten ab der frühen Neuzeit bis zum Jahre 1945 zwei Mythen eine zentrale Rolle: der Mythos von der „Hermannsschlacht“ und derjenige von den germanischen Vorfahren. Beide gehen zurück auf Schriften des römischen Historikers Tacitus, die erst knapp 1500 Jahre nach ihrer Abfassung wiederentdeckt wurden. Wieso konnten diese Schriften für die nationale Selbstfindung der Deutschen so zentral werden? In welchen historischen Etappen entfaltete sich diese Selbstfindungsgeschichte? 

Nach 1945 wurden diese nationalen Mythen aus dem kollektiven Gedächtnis der Deutschen weitgehend verdrängt, aber damit ist keineswegs die Bedeutung der römisch-germanischen Geschichte mit Tacitus als einem ihrer antiken Hauptinterpreten für das Gegenwartsverständnis erloschen. In der großen Gesellschaftskrise unserer Zeit wird nun Tacitus’ Dekadenzkritik an der römischen Gesellschaft seiner Zeit wieder aktuell. Diese Kritik wirkt zunehmend wie ein ferner Spiegel, der uns unser mögliches eigenes Schicksal drastisch vor Augen zu halten vermag.

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Audimax: Peter J. Brenner – „Alternative Fakten“. Über Wahrheit und Lüge in der Politik

24. August 2025

Mit dem Lügenvorwurf gegen Politiker ist man heute schnell zur Hand, und meistens auch zu Recht. Aber politisches Handeln unterliegt anderen Grundsätzen als der private Umgang; und generell waren Philosophen wie Theologen seit der Antike erstaunlich milde in ihrer Bewertung der öffentlichen Lüge. Viel problematischer als die individuelle Lüge des Politikers sind jene sich auf Fakten, auf Statistiken, auf Modellierungen berufenden Wahrheitssimulationen, welche die klassischen Ideologen als Legitimationsgrund von Herrschaft abgelöst haben.

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Audimax: Plan B für das Klima – wie wir die Klimabewegung mit ihren eigenen Waffen schlagen

31. August 2025

In seinem Vortrag behandelt der Physikprofessor Gerd Ganteför physikalische Prozesse in der Natur, genauer in den Ozeanen und in der Pflanzenwelt. Diese bewirken, dass auf natürlichem Wege mehr als die Hälfte des emittierten CO₂ aus der Atmosphäre aufgenommen und gebunden wird. Die wissenschaftlich fundierte, als Senkenmodell bezeichnete Theorie entzieht die Begründung für radikale Klimamaßnahmen, wie sie die Kämpfer für die vollständige Eliminierung von sogenannten Treibhausgasen fordern. Es zeigt sich, dass diese Maßnahmen falsch sind und nur unseren Wohlstand vernichten und die Gesellschaft destabilisieren würden.

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Audimax: Michael Esfeld – Selbstbestimmung, die Grundlage unserer Zivilisation

7. September 2025

Nicht Ausbeutung und Unterdrückung, wie von Kritikern behauptet wird, stehen am Anfang der großartigen europäischen kulturellen und wirtschaftlichen Errungenschaften. Diese sind vielmehr möglich geworden, weil zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Idee der Freiheit als Selbstbestimmung an die Stelle eines geschlossenen Weltbildes getreten war. Freie Wissenschaft und eine Rechtsordnung, die allen Menschen das Recht zur Abwehr unerwünschter Eingriffe in ihr selbstbestimmtes Leben garantiert, waren die wichtigsten Bedingungen dafür.

Diese sind die Grundlagen unserer Zivilisation und ihrer weltweiten Ausstrahlung, und doch sind heute beide Errungenschaften in allergrößter Gefahr. Das natürliche Recht auf Selbstbestimmung über das eigene Leben wird erneut der Verwirklichung eines kollektiven Gutes durch politische Herrschaft untergeordnet, einem imaginären kollektiven Gut, das als Gefahr für das Überleben der Menschheit inszeniert wird.

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Audimax: Parviz Amoghli – Banner des Nihilismus, die Regenbogenfahne im Wandel der Zeit

14. September 2025

Im gesamten Westen, insbesondere aber in Deutschland und Europa tobt ein geistiger Bürgerkrieg, ein Kulturkampf. Auf der symbolischen Ebene prallt dabei der natürliche Regenbogen als Sinnbild für das Wahre, Schöne und Gute auf die Familie der Regenbogen- und Pride-Flaggen als ideologische Erkennungszeichen. An ihrer Symbolik entzünden sich die Gemüter. Sie ist damit ein im wahren Sinne des Wortes epochales Zeichen für die frühen 2020er-Jahre. Doch wie konnte es so weit kommen? Wie konnte aus einem jahrtausendealten Symbol für Hoffnung und himmlischen Frieden ein Emblem des Untergangs werden? Diesen Fragen geht der Vortrag „Banner des Nihilismus – die Regenbogenfahne im Wandel der Zeit“ nach.

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Audimax: Peter J. Brenner – Das verlorene Lachen, die Politik und das Komische

21. September 2025

Politik und Humor stehen in einem spannungsreichen Verhältnis zueinander. In jüngerer Zeit sind die Grenzen fließend geworden: Politiker sollen humorvoll sein, und Fernsehclowns wollen Politik machen. Das Verlachen, der Witz, die Satire, das Kabarett, die Komödie wurden seit je zur Kritik an politischen und gesellschaftlichen Zuständen genutzt, auch in den Diktaturen des Dritten Reichs und der DDR. Aber durchschlagend war ihre Wirkung nie. Überhaupt ist das Lachen der Politik nie wirklich heimisch geworden. Es hat seinen eigentlichen Ort in der Gesellschaft, in der Lachkultur der Unterschicht und im Humor der Literaten.

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Audimax: Norbert Bolz – Christentum ohne Christenheit

28. September 2025

Der Kommunikationswissenschaftler Norbert Bolz liest aus seinem Buch „Christentum ohne Christenheit“, das Anfang dieses Jahres im Verlag Matthes & Seitz erschienen ist. Der Autor stellt die Einleitung und den größten Teil des ersten Kapitels vor. Seine These lautet: Ohne Jesus zu kennen oder sich für sein Leben zu interessieren, hat Paulus das Christentum erfunden. Das ist ihm mit dem größten rhetorischen Coup der Weltgeschichte gelungen: das Wort vom Kreuz. Es vollzieht eine radikale Umwertung der antiken Werte und ist damit für die gesamte westliche Kultur prägend geworden.

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Audimax: Deutsche Mythen – der Dolchstoß 1918 (Alexander Meschnig)

5. Oktober 2025

Nach der deutsch-österreichischen Kapitulation im November 1918 fand die Metapher des Dolchstoßes rasch Verbreitung. Schuld an der Niederlage, so der Schluss aus der Auffassung eines bis zum Kriegsende unbesiegten Heeres, sei die Heimat gewesen, die den kurz bevorstehenden Sieg verhindert und in eine schmähliche Niederlage verwandelt habe. Der Vortrag geht den unterschiedlichen Varianten der Niederlagenverarbeitung des Krieges nach: von der Trostformel des „im Felde unbesiegt“ über den Dolchstoß im engeren Sinne bis zu der mehr auf ein naturwissenschaftlich-biologisches Weltbild bezogenen Metapher der Vergiftung der deutschen Nation. 

Letztere Erklärung für die Niederlage im Herbst 1918 wird dann für die nationalsozialistische Rassenpolitik und die propagierte Verschmelzung von Heer und Heimat nach 1933 entscheidend sein.

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Audimax: Klaus-Rüdiger Mai – Die Neuordnung der Welt

12. Oktober 2025

Die heutige deutsche Elite lebt vom Niedergang, sie ist dekadent und dysfunktional, weil sie ihrer Funktion als Elite nicht mehr gerecht wird. Je weiter der Zerfall der Gesellschaft voranschreitet, umso mehr versucht sie die Realität durch falschen Glanz zu überstrahlen. Was vorherrscht, ist die Irrationalität des Diskurses, die verstärkte Repression, der ungezügelte Nepotismus, die Ersetzung der Evidenz durch Gesinnung, der Information durch Indoktrination, die Verhinderung von Wertschöpfung und die Vernichtung von Wohlstand. Aber das reale Dasein bestimmt nicht mehr die Wahrnehmung der Elite, sie ist stattdessen bestrebt, die Wahrnehmung des Daseins zu bestimmen. Sie produziert ein Weltbild, das ohne Welt auskommt, das nur noch Bild ist, imaginär und eingebildet.

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Audimax: Friedrich Pohlmann – Der Albtraum, nächtliche Todesangst als Jedermannserfahrung

19. Oktober 2025

Der Albtraum ist kein pathologisches Phänomen, sondern ein den meisten Menschen wohlvertrautes furchterregendes Nachtgeschehen. Trotz ihrer unterschiedlichen Formen haben alle Albträume zwei Grundmerkmale: Todesangst und das ihr folgende Erwachen. Es gibt „falsche“ Verwandte des Albtraums wie den „pavor nocturnus“ oder das Schlafwandeln, aber enge Beziehungen zu „normalen“ Angstträumen und insbesondere zu Traumaträumen. Die genauere kategoriale Bestimmung des Albtraums ist ohne Reflexion des größeren Kontextes von Schlaf und des menschlichen Traumgeschehens nicht möglich.

Welchen Schlafphasen gehören Albträume an, welche phänomenalen Eigentümlichkeiten hat das Traumgeschehen? Mit dem Instrumentarium der freudschen Traumdeutung lässt sich der Albtraum nicht erfassen. Wodurch gelingt am ehesten der Zugang zu diesem rätselhaften Phänomen, und vor allem: Welches sind seine anthropologischen Grundmerkmale und Funktionen?

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Audimax: Thomas-Michael Seibert – Gibt es den Rechtsstaat eigentlich noch?

26. Oktober 2025

Der Rechtsstaat ist eine Idee, die während der Aufklärung entstanden ist, mit dem Ziel, der staatlichen Macht Grenzen zu setzen. Seine wichtigsten Institutionen sind Gesetze, Gerichte und Verfahrensregeln. Heute ist die merkwürdige Lage entstanden, dass Gesetze den Rechtsstaat bedrohen und zu Fehlentwicklungen führen, mit denen das Eigentliche des Rechtsstaats völlig verdeckt wird. Er ist auch heute noch, mehrere Jahrhunderte nach der Geburt der Idee, in der Entstehung begriffen. Am Ende gab und gibt es den Rechtsstaat noch gar nicht so, wie er eigentlich oder richtig sein sollte.

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Audimax: Peter J. Brenner – Friedrich Nietzsche, der Philosoph des Verhängnisses

2. November 2025

Als Friedrich Nietzsche im August 1900 nach elf Jahren geistiger Umnachtung starb, war er kein Unbekannter mehr im europäischen Geistesleben. Der Pfarrersohn, Basler Altphilologie-Professor und ruhelose Freigeist hat der Moderne den Weg bereitet. Seine Wirkungsgeschichte im 20. Jahrhundert ist voller dramatischer Wendungen: Sie umfasst die Nietzsche-Euphorie im Fin de Siècle, die gezielte Inszenierung einer Nietzsche-Legende durch die Schwester, seine Rezeption im „Dritten Reich“ und in der DDR, und schließlich wurde Nietzsche zum Geburtshelfer der postmodernen Philosophie.

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Audimax: Horst-Joachim Lüdecke – Kampf gegen die Physik, warum die deutsche Energiewende scheitert

9. November 2025

Seitdem die Energiewende zu einer der wichtigsten Zielsetzungen deutscher Politik erklärt wurde, sprechen alle von Energie und Strom – aber wissen sie auch, was das ist? Es wird Zeit für Aufklärung. Was ist das physikalische Phänomen, das wir umgangssprachlich als Strom bezeichnen? Wie wird er erzeugt? Welche Besonderheiten der Strom-Erzeugung und -nutzung in Deutschland gibt es? Im Vortrag wird jene Kernfrage unserer Stromversorgung untersucht, die allen technisch besser informierten Zeitgenossen den Schlaf raubt: Wie weit können die bisherigen, mit Kohle und Gas betriebenen Grundlastkraftwerke durch die neuen Methoden ersetzt werden? 

Und schließlich wird die Frage erörtert, ob das komplette Umkrempeln unserer ehemals bestens funktionierenden Stromwirtschaft, das rücksichtslos gegen die überlebenswichtige energieintensive Industrie durchgezogen wird, überhaupt noch vernünftig ist und das Prinzip der Verhältnismäßigkeit einhält.

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Audimax: Michael Esfeld – Die Illusion des Republikanismus

16. November 2025

Das vorherrschende gesellschaftliche System in Deutschland und im Westen generell kann als postmoderner Totalitarismus verstanden werden. In seinem Essay untersucht Michael Esfeld, Professor für Wissenschaftsphilosophie an der Universität Lausanne, die Entstehungsgeschichte dieses Totalitarismus. In diesem benutzt die Staatsgewalt angebliche wissenschaftliche Lehrmeinungen wie zur „Corona-Pandemie“ und zur „Klimakatastrophe“, um das soziale und private Leben zu steuern, und setzt diese mithilfe der Medien und mit Zwang durch. Das System bedient sich eines kollektivistischen, moralischen Narrativs. Der Autor geht der Frage nach, wie es nach einer Periode der scheinbar vorherrschenden offenen Gesellschaften bis Ende der neunziger Jahre entstehen konnte.

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Audimax: Friedrich Pohlmann – Das Altern und die alternde deutsche Gegenwartsgesellschaft

23. November 2025

Das Thema wird aus drei Perspektiven in den Blick genommen. Zunächst geht es existenziell-anthropologisch um die Merkmale, die kulturgeschichtlich in den Bildern des menschlichen Alterns immer wieder auftauchen. Wie lassen sich deren typische Grundmuster bestimmen? Dann folgt eine soziologisch-demografische Analyse unserer Gegenwartsgesellschaft. Wie lässt sich deren deutsches Bevölkerungssegment im Hinblick auf „Alterung“ bestimmen? Welche Kennzeichen sind für ein sozialpsychologisches Habitusprofil dieser alternden Gesellschaft charakteristisch? Drittens wird die Konfrontation dieser alternden Gesellschaft mit der „jungen“ Gesellschaft der Immigranten analysiert. Wie lässt er sich begrifflich präzisieren?

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Audimax: Helmut Berschin – „Jeder und jede ist seines oder ihres Glückes Schmied*in“

30. November 2025

Dass Deutsch eine „Männersprache“ ist, war den hundert Millionen deutschen Muttersprachlern bis 1980 nicht bewusst. Damals entdeckte die neue Frauenbewegung die enorme Symbolkraft, welche in der grammatischen Kategorie Genus der deutschen Sprache steckte: Warum treten in ihr Männer im Maskulinum auf (Jeder Mann kennt das), Frauen im Femininum (Jede Frau kennt das), aber Männer und Frauen ebenfalls im Maskulinum (Jeder kennt das)? Die Linguistik bezeichnet die geschlechtsübergreifende Funktion der Maskulinform als „generisches“ (allgemeines) Maskulinum. Dieses generische Maskulinum, das die Frauen sprachlich „unsichtbar“ mache und deshalb diskriminiere, wurde zum Hauptmerkmal der Männersprache Deutsch erklärt und zum Feind einer geschlechtergerechten Sprache. 

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Audimax: Karl-Friedrich Israel – Soziale und kulturelle Folgen der Inflation

7. Dezember 2025

Wie die Wirkung der Inflation weit über steigende Preise hinausgeht, zeigt Professor Karl-Friedrich Israel in seinem Beitrag auf: Sie verzerrt Anreize, fördert spekulative Blasen, unterminiert soziale Mobilität und schafft kulturellen Verdruss. Anhand historischer Beispiele und moderner Entwicklungen wird sichtbar, wie Geldschöpfung aus dem Nichts Gesellschaften verändert – ökonomisch, sozial und moralisch. Schon Johann Wolfgang von Goethe griff das Thema auf und wies in seiner „Faust“-Tragödie auf den Kern des Problems hin: Das Inflationsproblem beginnt immer dort, wo man die Knappheit realer Mittel mit einer Knappheit an Geld verwechselt. 

Weiteres zum Thema vom Autor siehe Links weiter unten.

 

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Audimax: Peter J. Brenner – „Der Geist steht rechts“ – Der Konservatismus im Wandel der Zeit

14. Dezember 2025

Der moderne Konservatismus ist ein illegitimes Kind der Französischen Revolution. Im Laufe der Jahrhunderte hat er sich in den westlichen Gesellschaften im Wechselspiel von traditionalistischen Lebensformen, politischer Programmatik und intellektueller Reflexion entfaltet und gewandelt. Manche seiner Leitideen sind im Dunkel der Geschichte verschwunden und manche Radikalisierungen wurden an den Rand gedrängt. Aber oft und besonders in jüngerer Zeit sind dem Konservatismus paradoxe Modernisierungen gelungen, die ihn auch für die bürgerliche Lebenswelt des 21. Jahrhundert attraktiv haben bleiben lassen.

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Audimax: David Berger – Was bedeutet „Gott ist Mensch geworden“?

21. Dezember 2025

Wenn heute wahrscheinlich die Mehrheit der Menschen in Deutschland nichts mehr über den biblischen Hintergrund des Weihnachtsfestes weiß, ist das in geistiger – und keineswegs nur theologischer – Hinsicht eine Tragödie. Denn bei der Menschwerdung Gottes geht es nicht um irgendeine Nebensache, sondern um Fundament, Herz und Zentrum des Christentums und letztlich auch unserer abendländischen Kultur. Ohne die Menschwerdung Gottes wird alles andere in der christlichen Religion hinfällig. Ebenso ergibt dann die Idee der Gottebenbildlichkeit des Menschen keinen Sinn mehr – womit letztlich auch die gedankliche Grundlage für die allgemeine Menschenwürde und all das entfällt, was wir an Europa so schätzen und immer noch erhalten wollen.

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Audimax: Philipp Gut – Thomas Mann und die Idee der deutschen Kultur

28. Dezember 2025

Das Thema der deutschen Kultur gehört zu den brennenden Fragen der Gegenwart und bildete eine, wenn nicht sogar die zentrale Fragestellung des Werkes von Thomas Mann. Der vor 150 Jahren geborene Schriftsteller erlebte in seinen frühen Jahren den Einbruch der Moderne in Kunst und Gesellschaft und suchte nach Antworten, wie eine genuine deutsche Kultur unter diesen Bedingungen gestaltet werden könnte. Zunächst Anhänger Nietzsches und ihm folgend Fürsprecher einer „Rebarbarisierung“, wandelten sich seine Ansichten im Angesicht des heraufziehenden Nationalsozialismus. Die Versöhnung der scheinbaren Gegensätze von Zivilisation und Kultur wurde zu seinem wichtigen Anliegen. 

Philipp Gut zeichnet in seinem Essay diese Entwicklung nach und hebt hervor, warum Thomas Manns Ideen von der deutschen Kultur heute noch als Vorbild dienen sollten. (Wiederholung vom 8. Juni 2025)  

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Audimax: Parviz Amoghli – Banner des Nihilismus, die Regenbogenfahne im Wandel der Zeit

4. Januar 2026

Im gesamten Westen, insbesondere aber in Deutschland und Europa tobt ein geistiger Bürgerkrieg, ein Kulturkampf. Auf der symbolischen Ebene prallt dabei der natürliche Regenbogen als Sinnbild für das Wahre, Schöne und Gute auf die Familie der Regenbogen- und Pride-Flaggen als ideologische Erkennungszeichen. An ihrer Symbolik entzünden sich die Gemüter. Sie ist damit ein im wahren Sinne des Wortes epochales Zeichen für die frühen 2020er-Jahre. Doch wie konnte es so weit kommen? Wie konnte aus einem jahrtausendealten Symbol für Hoffnung und himmlischen Frieden ein Emblem des Untergangs werden? Diesen Fragen geht der Vortrag „Banner des Nihilismus – die Regenbogenfahne im Wandel der Zeit“ nach. (Wiederholung vom 14. September 2025)

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Audimax: Peter J. Brenner – Das verlorene Lachen, die Politik und das Komische

11. Januar 2026

Politik und Humor stehen in einem spannungsreichen Verhältnis zueinander. In jüngerer Zeit sind die Grenzen fließend geworden: Politiker sollen humorvoll sein, und Fernsehclowns wollen Politik machen. Das Verlachen, der Witz, die Satire, das Kabarett, die Komödie wurden seit je zur Kritik an politischen und gesellschaftlichen Zuständen genutzt, auch in den Diktaturen des Dritten Reichs und der DDR. Aber durchschlagend war ihre Wirkung nie. Überhaupt ist das Lachen der Politik nie wirklich heimisch geworden. Es hat seinen eigentlichen Ort in der Gesellschaft, in der Lachkultur der Unterschicht und im Humor der Literaten. (Wiederholung vom 21. September 2025)

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Audimax: Friedrich Pohlmann – Geschichtspolitik in Deutschland. Vom „Historikerstreit“ bis zur Gegenwart

18. Januar 2026

Die meisten Nationen pflegen Großerzählungen aus ihrer Geschichte, die sie zu sozialen Einheiten formen und den Zusammenhalt stärken sollen. Solch eine Erzählung ist für Frankreich die Revolution von 1789, für Russland der Große Vaterländische Krieg gegen Deutschland. Die deutsche Kollektivlegende der Gegenwart unterscheidet sich markant von diesen Erzählungen. Sie beinhaltet das Bekenntnis zur „singulären“ deutschen Schuld an zwei Weltkriegen und die Verpflichtung zum „Antifaschismus“, um so die Vergangenheit zu „bewältigen“. 

Die staatlich gepflegte Erinnerungskultur war berufen, diese Großerzählung zu festigen. Dabei spielte der sogenannte Historikerstreit 1986/1987 eine entscheidende Rolle, im Laufe dessen jeder mögliche Widerspruch medial vernichtet wurde. Wie aber verträgt sich mit dem aggressiven Antifaschismus die kriegerische Verteidigung der Ukraine, eines Nachfolgers der Alliierten des Nazi-Regimes?

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Audimax: Michael Esfeld – Thomas Hobbes, der Leviathan und die politische Philosophie der Neuzeit

25. Januar 2026

In seiner Vorlesung behandelt Michael Esfeld ein von Hobbes aufgezeigtes Dilemma, dessen zwei Seiten oft mit den zwei Hörnern eines wilden Stiers verglichen werden. Entweder herrscht in der Gesellschaft der Naturzustand mit unkontrollierter Gewaltanwendung, oder es wird mit dem sogenannten Gesellschaftsvertrag eine Staatsgewalt mit uneingeschränkter Befugnis zur Setzung und Durchsetzung von Recht errichtet. Dann allerdings bleibt die Freiheit auf der Strecke. Der Vortrag zeigt dagegen Wege auf, wie sowohl der gesellschaftliche Frieden als auch die Freiheit der Bürger gesichert werden können.

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Audimax: Horst-Joachim Lüdecke – Klima und CO₂ – warum Dekarbonisierung keine gute Idee ist

1. Februar 2026

Horst-Joachim Lüdecke, emeritierter Professor für Informatik und Physik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, befasst sich schon seit langem mit der Auswertung von Klimadaten. In seiner Vorlesung mit dem Titel „Klima und CO₂ – warum Dekarbonisierung keine gute Idee ist“ beschreibt er viele mächtige physikalische Prozesse, von denen CO₂ nur eine – wahrscheinlich eher geringfügige – unter vielen ist, die unser Klima bestimmen. Klima ist gerade wegen der Interaktion so vieler Einflüsse nur auf kurze Sicht modellierbar, was die langfristigen Klimamodelle, auf die sich Politiker berufen, eher fragwürdig erscheinen lassen. Unter diesen Umständen ist es wenig sinnvoll, eine hochentwickelte Volkswirtschaft mit enormen Kosten und um den Preis der Deindustrialisierung zu dekarbonisieren. Denn es gibt keine Beweise für eine bevorstehende katastrophale Erwärmung des Klimas durch die industrielle Tätigkeit der Menschen.

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Audimax: Peter J. Brenner – Die Zivilgesellschaft, Aufstieg und Niedergang einer bürgerlichen Lebensform

8. Februar 2026

Die Zivilgesellschaft ist ein Schlüsselbegriff des zeitgenössischen Demokratieverständnisses. Ihre Wurzeln reichen in die Zeit um 1800 zurück, als sich die bürgerliche Gesellschaft vom Obrigkeitsstaat emanzipierte und ihre Angelegenheiten selbst in die Hand nahm. Diese alte Zivilgesellschaft gibt es nicht mehr. Sie wurde aufgesogen von einem immer globaler werdenden Netzwerk von NGOs, Regierungen, Behörden, Stiftungen, staatsnahen Medien. Die bürgerliche Gesellschaft muss neue Formen zur Gestaltung ihrer Lebenswelt und zur Wahrnehmung ihrer Interessen hervorbringen.

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Audimax: Alexander Meschnig – „Die Nibelungen oder die deutsche Faszination am Untergang“

15. Februar 2026

Die Nibelungensage ist bis heute Bestandteil deutscher Identitäts- und Erinnerungskultur. Der Ausgangspunkt des Vortrages ist die Beobachtung, dass das Nibelungenlied bis in die Gegenwart politische Deutungskonflikte auslöst. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie und unter welchen historischen Bedingungen ein literarischer Untergangsmythos im 19. Jahrhundert zum deutschen Nationalepos werden konnte. Der Vortrag beschäftigt sich mit der Transformation des Nibelungenliedes von dessen historischem Kern über die mittelalterliche Erzählung bis hin zu seiner nationalen und ideologischen Vereinnahmung im Kaiserreich und im Nationalsozialismus.

Dabei werden Konzepte wie die der Kulturnation oder der Herkunft der Deutschen aus dem Germanentum im Verlauf der deutschen Geschichte ab dem späten 18. Jahrhundert betrachtet. Abschließend wird danach gefragt, inwiefern der Untergang der Nibelungen als Deutungsmuster über 1945 hinaus fortwirkt und in veränderter Form das politische und moralische Selbstverständnis im Deutschland der Gegenwart prägt.

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Audimax: Karl-Peter Schwarz – Lebenswerk des liberalen Philosophen und Ökonomen Anthony de Jasay

22. Februar 2026

Der österreichische Journalist Karl-Peter Schwarz hatte das Privileg, den 2019 verstorbenen großen liberalen Philosophen und Ökonomen Anthony de Jasay noch persönlich kennenlernen zu dürfen. In seinem Beitrag würdigt er den gebürtigen Ungarn, der heute zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist. De Jasay gehörte keiner intellektuellen Schule an. Er war ein origineller Denker, der radikalste unter den radikalen Individualisten, ein großer Einzelgänger unter den politischen Philosophen des 20. Jahrhunderts. Mit seiner originellen Analyse der wahren Natur des Staates gelang es ihm, einen völlig neuen Blick auf dessen Funktionsweise zu werfen. Nach seiner Theorie ist der Staat kein Instrument in den Händen von Klassen oder Parteien, sondern ein autonomer Akteur mit einem eigenen Willen und eigenen Zielen, nämlich der Machtmaximierung und Selbsterhaltung.

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Audimax: Michael Esfeld – Das Sklaverei-Dilemma und die Sokrates-Haltung

1. März 2026

In seiner Vorlesung behandelt Michael Esfeld die Frage, wie Staaten offensichtliches, schweres Unrecht in anderen Staaten behandeln sollen. Sollen sie, wenn sie die Machtmittel dafür zur Verfügung haben, gegen das Unrecht vorgehen? Dies scheint moralisch geboten, doch ist der Weg mit dem republikanischen Rechtsstaat nicht vereinbar, denn er höhlt die Grundlage des Rechtsstaats aus und fügt den eigenen Bürgern Schaden zu. Auch wenn humanitäre Prinzipien in einem fremden Land schwer verletzt werden, ist es deshalb falsch, militärische Mittel zur Behebung des Unrechts einzusetzen. Das Beispiel von Sokrates zeigt einen Ausweg aus diesem Dilemma: Er führt vor, wie man sich selbst weigern kann, Unrecht zu tun, ohne dabei mit Gewalt gegen andere vorzugehen.

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Audimax: Friedrich Pohlmann – Legitimitätsverlust und Gewalt, zur Krise des „Westens“

8. März 2026

Im Vortrag werden zunächst die zentralen Dimensionen des kaum reparabel erscheinenden politisch-gesellschaftlichen Krisensyndroms bestimmt, das sich in „westlichen“ Ländern entfaltet hat. Dessen wichtigste Folge ist ein rasanter Legitimitätsverlust des politischen Systems in der Bevölkerung. Was meint die Kategorie des Legitimitätsverlustes grundsätzlich, und welches sind ihre dominanten gegenwärtigen Einzelaspekte? Es gibt ernstzunehmende Gesellschaftsbeobachter, die bürgerkriegsähnliche Gewalt im Gefolge dieses Legitimitätsverlustes prognostizieren. Wie werden solche Prognosen begründet?

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Audimax: Peter J. Brenner – Der „demografische Wandel“, ein politischer Kampfbegriff

15. März 2026

Der „demografische Wandel“ ist eine Parole von großer politischer Durchschlagkraft; zuletzt diente sie der Rechtfertigung der Migrationspolitik. Der Begriff bezeichnet Änderungen in der Bevölkerungsstruktur mit ihren Folgen für die sozialen, ökonomischen, politischen und auch kulturellen Lebensformen einer Gesellschaft. Seit dem 17. Jahrhundert versucht man, diese Prozesse statistisch zu erfassen und zu beeinflussen. Immer geht es dabei um Ausübung von Macht, und oft genug haben sich Bevölkerungsstatistiker in den Dienst dieser Macht gestellt.

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Audimax: Helmut Berschin – Die Rolle der Sprache in der Politik

22. März 2026

Wer politisch aktiv sein will, muss vor allem eines tun: reden. Die Wirkung politischen Redens reicht von den „großen Reden“, welche den Gang der Weltgeschichte beeinflussten, bis zu solchen Reden, die – wie man zu sagen pflegt – „nichts als Worte“ sind. Die Vorlesung behandelt zunächst die „Macht der Sprache“ im politischen Wettbewerb und dann, im zweiten Teil, die „Sprache der Macht“, also die sprachliche Herrschaft, die ein bestimmtes politisches System ausübt und als verbindliche Sprachregelung („Sprachregime“) durchsetzt. Abschließend wird anhand von zwei Redebeispielen, dem Flüchtlings- und dem Deutschen-Diskurs, aktuell gezeigt, dass auch in Deutschland für gewisse Themen heute ein politisches Sprachregime besteht.

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Audimax: Gerd Ganteför – Leben und Sterben im Universum, die Physik der Zeit

29. März 2026

Wir leben in der Zeit wie der Fisch im Wasser, die Zeit trägt uns mit sich fort, ob wir wollen oder nicht. Was ist sie aber, ist sie überhaupt real? Man könnte denken, sie sei etwas, das Menschen erfunden haben, um die Dinge zu ordnen. Doch das ist nicht so. Denn die Zeit ist von Anfang an untrennbar mit dem Universum verbunden. Physiker sprechen vom vierdimensionalen Raum, vom Raum-Zeit-Kontinuum. Gesetze der Physik geben der Zeit eine Richtung und bestimmen auch, wie schnell sie vergeht. Ist also die Zukunft vorbestimmt? Was ist ewig im Universum, und wird die Zeit zusammen mit ihm enden? Die Physik kann heute viele der Fragen über die Zeit beantworten, aber bei weitem nicht alle.

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Audimax: David Berger – Die katholische Kirche, NGO oder der mystische Leib Christi

5. April 2026

Was im deutschen Sprachraum gemeinhin als katholische Kirche gilt, ist in einem erbärmlichen, in mancherlei Hinsicht sogar skandalösen Zustand. In seinem Vortrag bittet der Theologe David Berger die Hörer trotz alledem, diese schmerzlichen Erfahrungen beiseitezulegen und zu fragen, was die Kirche von ihrer Grundidee her ist, was ihr Wesen ausmacht. Die Kirche sollte nicht aufgrund ihres gegenwärtigen institutionellen Zustands, sondern nach ihrem spirituellen Kern beurteilt werden, nach der Definition, wie sie im Neuen Testament steht: als „mystischer Leib Christi“. Der Apostel Paulus beschreibt die Gemeinde als einen Leib, dessen Glieder die Gläubigen, dessen Haupt Christus ist. In diesem Sinne sprach Joseph Ratzinger davon, dass wir keine „menschlichere Kirche“ brauchten, „sondern eine göttlichere“.

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Audimax: Michael Esfeld – Demokratie, Mündigkeit statt Leben auf Kosten anderer

12. April 2026

Demokratie unterscheidet sich von anderen Staatsformen durch den Prozess der Legitimation der Träger von Herrschaft und durch die Grenzen, die der Ausübung von Herrschaft gesetzt sind. Demokratie beruht darauf, dass jeder Mensch als Person mit unveräußerlichen Rechten anerkannt wird. Aber gerade dadurch, dass die Demokratie im Wesentlichen im friedlichen Wechsel der Herrschenden besteht, setzt sie eine Entwicklung zum Wohlfahrts- und Kriegsstaat in Gang: Die Herrschenden versuchen, ihre Wiederwahl abzusichern, indem sie möglichst viele der Beherrschten von sich abhängig machen. Soll diese Entwicklung aufgehalten und die Demokratie erhalten bleiben, braucht es mündige Bürger, die erzwingen können, dass Politiker – ebenso wie sie selbst – die Verantwortung für die Folgen ihrer Entscheidungen tragen.

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Audimax: Peter J. Brenner – Kunst und Politik – Heinrich Heine und die Literatur des Vormärz

19. April 2026

In den rund drei Vormärz-Jahrzehnten vor 1848 wurde das Verhältnis von Kunst und Politik neu justiert. Dem selbstbewussten Auftreten der politischen Schriftsteller und der Entstehung des literarischen Marktes stehen obrigkeitsstaatliche Zensur und ein ausgedehntes Spitzelwesen gegenüber. Viele der kulturpolitischen Konstellationen der Gegenwart sind hier vorgeprägt. Die Widersprüche der Epoche brechen sich in der Person Heinrich Heines. Bei den Zeitgenossen war er umstritten, er hat programmatische Kontroversen ausgelöst, aber sein Werk hat die Zeiten überdauert.

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Audimax: Stefan Blankertz – Roland Baader, Rebell für die Freiheit

26. April 2026

Der Ökonom und Philosoph Roland Baader war einer der bedeutendsten freiheitlichen, liberal-konservativen Denker der deutschen Nachkriegsgeschichte. In seinen Büchern warnte er unermüdlich vor den Allmachtsbestrebungen des Staates und der Entmündigung des Bürgers. Er analysierte die Mechanismen, durch die demokratische Wahlen zum Instrument der Machtsicherung und Machtkonzentration werden. Er zeigte auf, wie das Geldmonopol den Wohlfahrtstaat nährt und so zur Abhängigkeit immer größerer Gruppen vom Staat führt. Am Ende finden zwar noch Wahlen statt, aber ohne ein demokratisches Ergebnis. Der überbordende Sozialstaat geht in den Staatssozialismus über – ganz ohne sozialistische Revolution.

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Audimax: Alexander Meschnig – Dekadenz. Zur Geschichte eines Deutungsmusters

3. Mai 2026

Der Vorwurf der „Dekadenz“ begleitet die menschliche Geschichte seit der Antike. Schon die Griechen klagten über moralischen Verfall, römische Autoren warnten vor Luxus und Selbstzufriedenheit, und auch heute scheint die Diagnose wieder allgegenwärtig. Doch was steckt hinter dem Begriff der Dekadenz? Beschreibt er tatsächliche Entwicklungen, oder ist er vielmehr ein wiederkehrendes Deutungsmuster, das wir in allen möglichen Gesellschaften finden können?  Der Vortrag zeichnet die Ideengeschichte der Dekadenz nach – von der Antike bis in die Gegenwart – und stellt die Frage, warum es eine allgemeine Neigung gibt, sich und seine eigene Zeit im stetigen Niedergang zu sehen.

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Audimax: Antony Mueller – Von der Kriegswirtschaft zum Kriegssozialismus, der Weg in den totalen Staat und die Eskalation zum totalen Krieg

10. Mai 2026

Von der Kriegswirtschaft über den Kriegssozialismus zur Errichtung des totalitären Staates: Unter dem Eindruck des Ersten und im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges erkannte der liberale österreichische Ökonom Ludwig von Mises die Entwicklung von der kriegsbegründeten Planwirtschaft hin zur politischen Diktatur. Dieser Übergang von der Kriegswirtschaft als temporärer Ausnahmeform zur dauerhaften Lenkungswirtschaft und zum totalitären Staat ist kein Betriebsunfall, sondern die logische Folge einer politischen Denkweise, die Sicherheit über Freiheit, Kontrolle über Marktprozesse und Planung über Spontaneität stellt, wie Antony Mueller in seiner Kritik von Kriegswirtschaft und Totalitarismus ausführt.
 

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Audimax: Windräder – mit der Energieerzeugung zurück ins Mittelalter

17. Mai 2026

Noch nie in der Geschichte ist es bisher vorgekommen, dass Gesellschaften beschlossen hätten, ein bereits erreichtes höheres technisches Niveau zu verlassen und zu primitiveren, weniger effektiven und teureren überzugehen. Horst-Joachim Lüdecke zeigt auf, dass genau dies in unserer Gegenwart geschieht. Die Stromerzeugung durch Windräder ist ein Rückschritt ins energetische Mittelalter. Sie ignoriert physikalische Gesetze, führt zu horrenden Stromkosten, zu Natur- und Landschaftszerstörung und zu ständiger Blackout-Gefahr. Auch wenn in Windräder modernste Technik eingebaut ist, ändert das nichts an diesen Tatsachen. Windräder konnten nur dank hoher Subventionen und planwirtschaftlicher Vorgaben eingeführt werden – auf Kosten der Steuerzahler und Stromverbraucher.

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Audimax: Die Elite. Glanz und Elend der Führungsschicht

24. Mai 2026

Jede Gesellschaft bringt eine herrschende Elite hervor. Aber je nach gesellschaftlicher Formation und historischer Situation gestalten sich die Elitenrekrutierung, die Elitenherrschaft und die Elitendiskussion sehr unterschiedlich. In der Umbruchsituation nach dem Zweiten Weltkrieg erscheinen die Eliten anders als in der DDR und der frühen Bundesrepublik. Um die Jahrtausendwende hat sich das neue Phänomen einer „globalen Elite“ ausgebildet, deren Anmaßung einer kuratischen Deutungshoheit über „das Volk“ zunehmend auf Widerstand stößt. Der Autor Peter J. Brenner war von 1991 bis 2009 Professor für Neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität zu Köln und anschließend bis 2019 an der Technischen Universität München beschäftigt.

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Audimax: Friedrich Pohlmann – Stimmungen, Emotionen, Atmosphären

31. Mai 2026

Es gibt psychische Phänomene, die jedem als Erlebnisinhalte wohlvertraut sind, über die aber nur selten genauer nachgedacht wird. Zu ihnen gehören Stimmungen. Stimmungen gibt es in zwei Grundformen: als Befindlichkeiten des Einzelmenschen und als Atmosphären äußerer Wirklichkeiten, von Orten, Jahreszeiten, künstlerischen Artefakten beispielsweise. Drei Aspekte stehen bei der Analyse der ersten Grundform im Vordergrund: Unterschiede zu „normalen“ Emotionen; soziologische Auswirkungen von Stimmungen; ihre Beeinflussungschancen durch den Einzelnen. Wie aber sind Atmosphären deutbar? Warum werden sie von ganz unterschiedlichen Menschen ähnlich wahrgenommen?

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Audimax: Gerd Ganteför – Die Raumzeit, die sonderbaren Eigenschaften der vierten Dimension

7. Juni 2026

Physikprofessor Gerd Ganteför setzt seine Vorlesung über das Wesen der Zeit und ihre sonderbaren Eigenschaften fort. In diesem zweiten Teil geht es um die Verlangsamung der Zeit in Gravitationsfeldern und bei hoher Geschwindigkeit, wie es die Relativitätstheorie beschreibt. Aus der Relativitätstheorie folgt auch, dass die Zeit die vierte Komponente der Raumzeit ist. Sie ist mit dem Raum zusammen im Urknall entstanden. Es gibt einige Experimente wie das Doppelspalt-Experiment und die Quantenteleportation, die darauf hinweisen, dass unsere Wirklichkeit in eine höhere Ebene der Wirklichkeit eingebettet ist, die zeitlos ist.

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Audimax: Michael Esfeld – Kant wiederentdecken, Plädoyer für eine neue Aufklärung

14. Juni 2026

1784 definierte Immanuel Kant die Aufklärung als „den Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“. Liest man heute diesen Text, dann muss man feststellen, dass dieser nichts von seiner Aktualität eingebüßt, sondern noch eher an Aktualität gewonnen hat. Denn wir leben in einer Zeit massiver Rückschritte in Bezug auf Aufklärung im Sinne von Mündigkeit als Selbstbestimmung über das eigene Leben. Wieso hat sich die Aufklärung nicht durchgesetzt? 

In der Aufklärungsphilosophie im 18. Jahrhundert selbst sind Elemente angelegt, die später dazu führen, dass die Aufklärung scheitert. Diese Elemente sollen hier herausgearbeitet werden, um das Ziel der Aufklärung zu erreichen, nämlich eine Gesellschaft mündiger Menschen, die in freiwilligen Interaktionen selbst über ihr Leben bestimmen, statt ihre Lebensbahnen durch staatliche Bevormundung lenken zu lassen und dadurch entmündigt zu werden. Deshalb ist dieser Vortrag ein Plädoyer für eine neue Aufklärung.

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